Hilfe und Unterstützung durch das Team der dualen Ausbildung

Karin Hermes und Sarah Gozemba sind zwei von ihnen und stellen ihre vielseitige Tätigkeit im Interview mit der Redaktion der Südwestfälischen Wirtschaft vor.
Sarah Gozemba und Karin Hermes
Die SIHK-Bildungsberaterinnen Sarah Gozemba (l.) und Karin Hermes.
Was macht eine Bildungsberaterin bei der SIHK? Wie sieht Ihr täglicher Arbeitsablauf aus?
Gozemba: Bildungsberaterinnen und -berater gibt es in jeder IHK. Unser Aufgabengebiet ist sehr vielfältig. Wir haben viel mit Menschen zu tun und sind sowohl im Innendienst als auch im Außendienst zu verschiedenen Themen tätig. Dabei ist selten ein Tag wie der andere. Im Innendienst beraten wir meistens Betriebe und Auszubildende telefonisch oder erledigen E-Mailanfragen und Posteingänge. Besprechungen und Absprachen mit Kollegen kommen auch dazu. Oft sind wir auch in unserer Region unterwegs. Dort besuchen wir Betriebe, die erstmalig ausbilden möchten und beraten sie dazu. Wir entscheiden letztlich auch, welcher Beruf in einem Unternehmen ausgebildet werden darf. Das bringt viel Verantwortung mit sich.
Warum sollte ein Unternehmen in Ausbildung investieren?
Hermes: Die duale Ausbildung trägt wesentlich zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen bei. Unternehmen sichern sich durch die Ausbildung ihren Fachkräftenachwuchs. Dazu beraten wir künftige Ausbildungsbetriebe ausführlich und beantworten alle Fragen zum Thema.
Wie wird aus einem Unternehmen eine Ausbildungsstätte?
Hermes: Damit ein Unternehmen ausbilden kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein: So muss der Betrieb dem Azubi einen Arbeitsplatz –
z. B. am Schreibtisch oder an den für die Ausbildung benötigten Geräten und Maschinen – bereitstellen. Außerdem muss der Betrieb gewährleisten, dass alle Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt werden können, die in der entsprechenden Verordnung festgelegt sind – und natürlich muss ein Ausbilder vor Ort sein, der fachlich geeignet ist und die Ausbildereignungsprüfung erfolgreich absolviert hat.
Und danach können die Betriebe ausbilden, was und wie Sie wollen?
Gozemba: Selbstverständlich nicht. Die Inhalte der Ausbildungsberufe sind jeweils in einer Verordnung bundeseinheitlich festgelegt. Wir überprüfen stichprobenartig, ob sich die Ausbilder an diese Vorgaben und die entsprechenden Gesetze halten, die für die Berufsausbildung verabschiedet wurden.
Und natürlich kann es während einer Ausbildung auch schon mal zu Konflikten kommen. Wir vermitteln dann bei Problemen zwischen Auszubildenden und Betrieb und unterstützen bei der Suche nach Lösungen.
Das klingt nach einem abwechslungsreichen beruflichen Alltag.
Gozemba: Das ist unser „normaler“ Tagesablauf. Dazu kommen auch noch die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen. So starten wir im September um ein neues digitales Format: Einmal pro Quartal geht es um aktuelle Themen der Ausbildungspraxis. In jeweils 60 Minuten informieren sachkundige Mitarbeiter der SIHK aus der Praxis für die Praxis. Zum Auftakt geht es um Rechte und Pflichten eines Ausbildungsbetriebes. Außerdem bereiten wir Ausbildungsmessen vor, bei denen sich Unternehmen aus der Region präsentieren können, oder stellen neue oder veränderte Berufen vor. Die duale Berufsausbildung ist ein sehr großes und dynamisches Arbeitsfeld mit vielen Akteuren und einem umfassenden Netzwerk.
Welche Rolle spielt die IHK allgemein in der dualen Berufsausbildung?
Hermes: Neben der Beratung während der Ausbildung gibt es noch eine Menge anderer wichtiger Tätigkeiten, die die IHK übernimmt: Hier werden die Ausbildungsverhältnisse in ein Verzeichnis eingetragen, um die Auszubildenden z. B. für die Prüfungen vorzumerken; die Organisation und Durchführung bzw.
Abwicklung der Berufsabschussprüfungen obliegen auch der IHK. Von uns gibt es nach bestandener Prüfung dann auch das Prüfungszeugnis, das den erfolgreichen Berufsabschluss bestätigt. Daneben schlichtet die IHK bei Konflikten in der Ausbildung, bevor es vor ein Arbeitsgericht geht – z. B., wenn ein Auszubildender gekündigt wird und dieser damit nicht einverstanden ist. Wir unterstützen außerdem bei der Suche nach geeigneten Auszubildenden bzw. Ausbildungsplätzen. Und auch nach der Ausbildung beraten wir über die höhere Berufsbildung, die ja den gleichen Stellenwert hat wie ein Studium.
Wir haben gerade eine schwierige Zeit mit viel Distanz und Einschränkungen. Bilden unter Corona noch Betriebe aus?
Gozemba: Viele Unternehmen bilden auch unter den aktuellen Umständen aus, damit es in Zukunft genügend Fachkräfte gibt, die den Betrieb am Laufen halten. Selbstverständlich läuft die Ausbildung zurzeit unter anderen Umständen als normal ab, aber unsere Erfahrungen zeigen, dass die Ausbildungsbetriebe in dieser außergewöhnliche Zeit individuelle Lösungen gefunden haben, um ihren Auszubildenden trotzdem die Ausbildungsinhalte zu vermitteln. Unser Ziel als IHK ist es, mehr Beratung aus einer Hand anzubieten. So haben zukünftig z. B. alle Betriebe, die im Metall- und Elektrobereich ausbilden, einen Berater als Ansprechpartner für alle Berufe, auch wenn über gewerblich-technische Berufe hinaus kaufmännisch ausgebildet wird. (kru)
31. August 2021