Kreatives Arbeiten und Wohnen in ländlicher Region

Von der Großstadt ins Grüne ziehen, wo die Nachbarschaft sich kennt  und man nach der Arbeit raus in die Natur und einfach entspannen kann. Darüber denken viele Menschen in größeren städtischen Agglomerationen nach. Oftmals scheitert der Wunsch daran, dass mögliche Herausforderungen, wie: „Wie verbinde ich dies mit meinem Job?“, „Bekomme ich Anschluss?“, „Wie sieht es mit Infrastruktur und Mobilität aus?“ und „Was ist, wenn meine Erwartungen enttäuscht werden?“ unlösbar scheinen.
standort südwestfalen12_Summer of Pinoeers (2)
Gleichzeitig freuen sich der ländliche Raum und seine Städte immer auf neue (Mit-) Bewohnerinnen und Bewohner. Wie also die Interessierten zusammenbringen?
Eine Möglichkeit zeigt der „Summer of Pioneers“ auf. Gestartet 2019 als Experiment im brandenburgischen Wittenberge hat das vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und der Bunderegierung im Rahmen der Wettbewerbe „Menschen und Erfolge“ sowie „Kultur- und Kreativpiloten“ ausgezeichnete Projekt von Juni bis November 2021 auch Einzug in Südwestfalen, genauer in Altena, gehalten. Die Stadt Altena ermöglicht damit Arbeitenden der Digital- und Kreativwirtschaft aus allen Teilen Deutschlands das „Landleben auf Probe“. Gleichzeitig testet die Stadt den Zukunftstrend des digitalen und mobilen Arbeitens. Dies bietet eine Chance für die ländliche Region, da hierbei das Freizeit- und Familienleben der Arbeitenden nicht mehr eng an den Sitz des Arbeitgebers geknüpft sein muss.
In Altena kann das Projekt positiv bewertet werden, trotzdem die Flut im Juli dieses Jahres einen der drei Coworking-Spaces der Pioneers beeinträchtigte. Die Pioneers riefen direkt zu Spenden für die von der Flut betroffenen Altenaer Bürgerinnen und Bürger auf und bewiesen, wie bereit sie waren, sich in die Gemeinschaft aktiv einzubringen. Dies zeigen auch die gemeinsam mit den Pioneers und den Altenaer Bürgerinnen und Bürgern in Gesprächen und Workshops entwickelten Ideen, die von einzelnen Aktionen bis hin zu Neuausrichtungen für Industriebrachen reichen.
So trafen sich Pioneers und Bürgerinnen und Bürger zunächst dienstags zum Mittagstisch in der Innenstadt und kamen ins Gespräch. Das vegetarische Essen kam von Gastronomien in Altena, so konnten diese mit erhaltenen Spenden auch nach der Pandemiezeit unterstützt werden. Die Flutkatastrophe im Juli ließ dies zwar ins Stocken geraten, aber die ersten Schritte waren gemacht. So wurden im Oktober dieses Jahres in einem gemeinsamen Workshop in Altena Ideen zur Umwandlung der Brache Schwarzenstein – Verwaltungsgebäude, Fußgängerbrücke über die Lenne und alte Gießerei – entwickelt. Im Rahmen der „Utopie Konferenz“ der Leuphana Universität in Lüneburg beteiligten sich Altenaer Bürgerinnen und Bürger sowie die Pioneers gemeinsam mit anderen Workshops der Konferenz an der Erarbeitung von Rezepten für eine neue Ländlichkeit, die in einer Karte graphisch zusammengefasst worden sind (siehe links). Auch in der näheren Zukunft und obwohl sich der Summer of Pioneers in Altena dem Ende neigt, werden mehrere der von den Pioneers und den Altenaer Bürgerinnen und Bürgern entwickelten Ideen weiterverfolgt und umgesetzt. Wer weiß, vielleicht gibt es demnächst in Altena sogar ein „Kommunenbrauhaus“.
Das Projekt „Summer of Pioneers“ ist ein Beispiel für einen kreativen Ansatz, um den ländlichen Raum und die Innenstädte gemeinsam zu beleben und nachhaltig zu entwickeln. #GemeinsamInnenstadt! (N)■
„Summer of Pioneers“ in Altena
Beim Summer of Pioneers in Altena testen 15 Kreative und Digitalarbeiterinnen und -arbeiter aus allen Teilen Deutschlands das Leben und Arbeiten im Sauerland. Die Pioniere, die während einer Bewerbungsphase ausgewählt wurden, bekommen vergünstigte möblierten Wohnungen sowie kostenlosen Zugang zu einem extra eingerichteten Coworking Space, der sich auf mehrere Räume in der zentralen Lennestraße verteilt, unter anderem im ehemaligen “Cafe Talstation” und eine “Pioneers Lounge” mit Sand und Strandkörben. Im Gegenzug bringen sich die Pioniere mit ihren Ideen in der Stadt ein. (red)■