Smarte Ansätze für Innenstädte

Wenn wir über die Multifunktionalität der Innenstadt sprechen, ist die Erreichbarkeit immer ein wichtiger Bestandteil der Diskussion. Im gleichen Atemzug ist die Innenstadt aber auch nachhaltig zu denken.
Beide Aspekte müssen nicht im Widerspruch stehen, aber Mobilität muss dabei anders gedacht werden als es heute oft der Fall ist. Eine kundenzentrierte Sichtweise beim Transport von Menschen und Waren muss Teil der Diskussion nachhaltiger Innenstadtentwicklung sein. Verschiedene Ideen, schlau kombiniert, können die Verkehrsbelastung in den Innenstädten reduzieren und die Nachhaltigkeit sowie die Erreichbarkeit fördern.
Will man die Innenstadt nur durch Verbote autofrei halten, ohne Alternativen zu schaffen, führt das letzten Endes dazu, dass die Kundschaft sich neue Wege sucht und andere Innenstädte anfährt. Wer kundenorientiert denkt, Intermodalität ermöglicht und intelligente Verbindungen zwischen Park & Ride- oder Bike & Ride-Plätzen zum Öffentlichen Personennahverkehr schafft, kann dies vermeiden. Dabei spielt auch die Digitalisierung eine wichtige Rolle. Die Verfügbarkeit des Parkraums muss dargestellt werden, intelligente Leitsysteme führen auch Ortsfremde unkompliziert zur nächsten freien Abstellmöglichkeit mit Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr. Eine Integration in Mobilitäts-Konzepte oder eigene Apps einer Stadt runden das optionale Angebot ab. Mit dem Auto in die Stadt zu fahren, die Taschen voll zu machen, sie in den Kofferraum des Autos zu packen und wieder nach Hause zu fahren, ist die bequemste Variante des Einkaufens. Aber Kundenverkehre und zunehmende Lieferverkehre erschweren das Einkaufserlebnis gerade im Weihnachtsgeschäft.
Lokale Lieferservices
Wie wäre es, wenn man dann ohne Staus in die City käme und die eingekauften Waren direkt nach Hause geliefert bekommen würde? Das Konzept „WüLivery“ in Würzburg hatte den „Shop & Drop-Service“ für Einkaufende und Touristen, die nach dem Shoppen in Würzburgs Innenstadt keine Tüten mit ins Restaurant, Kino oder Theater nehmen wollen, als Ansatz. Seit November 2020 verfolgt das Konzept einen emissionsfreien Same-Day-Lieferservice. Als Partner haben das Stadtmarketing, die Stadt Würzburg und der örtliche Handelsverband sich mit den Radbote
n als Logistikpartner zusammengetan. Unter Corona wurde schnell ein anderer Ansatz daraus: Waren per Telefon, Fax, Email, Messenger oder sonstige Online-Kanäle zu bestellen und diese dann innerhalb des Stadtgebiets und den Stadtteilen taggleich per Fahrradkurier zu erhalten. Hierfür gibt es ein Online-Portal für Händler zur Eingabe der Kundendaten. Mittlerweile hat sich das Aufkommen auf in der Regel 80 bis 100 Zustellungen pro Tag eingepegelt. Weitere Informationen sind unter www.wuelivery.de zu finden.
Letzte Meile und die City Hubs
Auch die sogenannten „City Hubs“ können eine Brücke zwischen Transport und Nachhaltigkeit für die Innenstadt schlagen und könnten eine Renaissance erleben, denn die Idee ist nicht neu, aber aktueller denn je. City Hubs sind kleinere Zwischenlager im Stadtraum, von denen aus die Empfänger innerhalb eines kleinen Radius versorgt werden können. Die Zustellung kann hierdurch umweltfreundlich, beispielsweise mit Elektro-Lastenrädern erfolgen. Innerhalb der Innenstädte bietet sich ein City Hub zur gemeinsamen Belieferung der Einzelhändler an. Zusätzlich könnte zeitlich versetzt auch eine Belieferung der umliegenden Anwohnerschaft erfolgen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Ware direkt zu einem gewünschten Zeitpunkt abgerufen werden kann und somit das Geschäft quasi vergrößert wird. Aufgrund der Leerstandssituation in vielen Innenstädten stehen oft gut erreichbare Immobilien für ein City Hub zur Verfügung. Sowohl die Stadt als auch private Dienstleister können bei der Umsetzung eine wichtige Rolle spielen. Das Projekt „incharge“ in Düsseldorf hat unter dem Motto „gemeinsam für die Innenstadt“ mit Interessenverbänden und der Stadt eine solche Lösung entwickelt und erfolgreich gestartet. Weitere Informationen zu diesem Projekt sind unter www.incharge.city zu finden.

8. Unternehmerkundenstudie Zukunft des Einzelhandels in Iserlohn, Hagen und Lüdenscheid
Die Covid-19 Pandemie hat den Einzelhandel stark getroffen. Dies bestätigt auch die 8. Unternehmerkundenstudie der Commerzbank AG. Im Zeitraum vom 28. Juni bis zum 20. August 2021 wurden dazu 3.500 Interviews mit Unternehmen im deutschen Einzelhandel bundesweit geführt, davon 50 in Iserlohn, Hagen und Lüdenscheid. Ziel der Studie war es, Erkenntnisse zu den Auswirkungen der Covid-19 Pandemie auf den deutschen Einzelhandel sowie zu den von den Einzelhändlerinnen und Einzelhändlern im Zuge der Krise ergriffenen Maßnahmen zu gewinnen.
Jeder zweite Einzelhändler aus dem Einzugsgebiet Iserlohn, Hagen und Lüdenscheid der Commerzbank AG gibt an, starke Umsatzeinbußen durch die Coronakrise zu verzeichnen. 35 Prozent mussten auf vorhandenes Eigenkapital zurückgreifen. Trotzdem schauen aber rund 82 Prozent optimistisch in die Zukunft, auch wenn sie die Verödung der Innenstädte befürchten. Sie nehmen die Herausforderungen an, stellen sich den Kundenbedürfnissen und investieren in ihren Online-Auftritt. Mit gesteigerter Kreativität und gestärktem Teamgeist begegnen sie der Corona-Krise. Damit geben sie auch Anregungen für eine nachhaltige und resiliente Innenstadtgestaltung. (N) ■
www.commerzbank.de
Holger Walter
02371 214155
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