Ausbildung von Menschen mit Behinderung

Ein erfolgreicher Ausbildungsprozess beginnt bei der Rekrutierung und endet im besten Fall mit der Übernahme der Fachkraft. Das ist bei Menschen mit Behinderung nicht anders – doch es gibt Besonderheiten.
Bei der Ausbildung von Menschen mit Behinderung tauchen schnell Begriffe wie Barrierefreiheit auf oder sollen Ansprechpartner wie das Inklusionsamt kontaktiert werden. Eine erfolgreiche Ausbildung von Menschen mit Behinderung muss wie jede Ausbildung vorbereitet und gestaltet werden. Jeder Mensch mit (und ohne) Behinderung ist anders. Ein junger Mensch mit einer Hörbehinderung hat andere Herausforderungen an seinem Arbeitsplatz als ein Mensch mit einer Lese- und Rechtschreibschwäche. „Arbeitgeber und Auszubildenden mit Behinderung können vielfältige Unterstützung erhalten. Unterstützung, die auf die Herausforderungen der oder des Einzelnen zugeschnitten ist“, so SIHK-Inklusionsberater Christian Münch.
Praktika können helfen, die Fähigkeiten einzuschätzen
Bei jungen Menschen mit Behinderung ist es im Vorstellungsgespräch oft nicht so einfach einzuschätzen, was die-oder derjenige schon kann: Etwa wenn das Zeugnis einer Förderschule für Sie ungewohnt ist. Oder eben auch, wenn ein Mensch zwar schon einige Arbeitserfahrung mit sich bringt, aber bisher nur in einer geschützten Umgebung mit Betreuung gearbeitet hat. Umso wichtiger sind Praktika – denn nach den ersten Tagen und Wochen wissen beide Seiten häufig schon ganz genau, ob es menschlich und fachlich passt. „Praktika dienen dabei nicht nur dem Test der praktischen Fähigkeiten, oft können Unternehmen so auch schnell einschätzen, ob der Bewerber oder die Bewerberin die notwendige Allgemeinbildung mitbringt“, so Münch.
Von Anfang an kann dabei die richtige Unterstützung helfen. Haben Unternehmen ein offenes Ohr, wenn Herausforderungen auftreten, dann werden daraus keine Probleme. „Betriebe sollten für eine Erstberatung den Rat der SIHK oder der Arbeitsagentur suchen, um festzustellen was vor Ort alles möglich ist. Vielleicht kennt man aber auch eine Unternehmerin oder einen Unternehmer im Bekanntenkreis, die schon Erfahrungen gemacht hat“, rät Inklusionsberater Münch.
Und für fast jede Herausforderung gibt es dann auch eine Lösung: „Wenn bei der Arbeit etwas anders vorgegangen werden muss, kann mit technischen Hilfsmitteln oft viel erreicht werden. Wenn das Lernen in einzelnen Bereichen schwieriger ist, gibt es umfangreiche Nachhilfeangebote“, erklärt Münch. Und wenn Unternehmen sich als Ausbilder zu Beginn noch etwas unsicher fühlen, können auch Expertinnen und Experten um Rat gefragt werden: Und das alles in der Regel kostenneutral.
Wettbewerbsvorteil bei Fachkräfteengpässen
Unternehmen können heute mit einer Entscheidung für eine Ausbildung von Menschen mit Behinderung sich in der Personalauswahl breiter aufstellen. Das kann in Zeiten von Fachkräfteengpässen mittelfristig ein Wettbewerbsvorteil sein. So wird aus dem Auszubildenden mit Behinderung von heute eine loyale Fachkraft von Morgen. Und nicht zu vergessen – im Falle einer Schwerbehinderung ist dies bei der jährlichen Berechnung der Ausgleichsabgabe zu berücksichtigen. (Mü)