Ausbildung

Die Logistikkette digital managen

Eine Ausbildung in der Logistikbranche bietet ausgezeichnete Zukunftsperspektiven. Die digitale Transformation wird die Anforderungen an die Ausbildungsberufe weiter verändern.
Titelthema11_Digitalisierung Lagerlogistik Ingo Buch
Ingo Buch
Eine durchdachte Logistik ist für jedes Unternehmen unerlässlich. Um die Warenströme effizient zu leiten, spielt die Digitalisierung eine immer größere Rolle. Digitale Technologien lassen sich daher aus den Lager- und Logistikzentren nicht mehr wegdenken. Das hat auch Auswirkungen auf die Ausbildungsprofile, wie zum Beispiel bei der Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik. Eine Studie des Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat gezeigt, dass sich das Berufsprofil stark verändert und weiter verändern wird. Manuelle Tätigkeiten werden durch die Digitalisierung abnehmen, steuernde Funktionen jedoch stark zunehmen. Der Beruf werde damit anspruchsvoller. Diese Erfahrung hat man auch bei der Witzenmann-Speck GmbH in Schwelm gemacht, die sich längst für die Zukunft aufgestellt hat und immer mehr auf digitalisierte und automatisierte Prozesse setzt. In Schwelm ist eine neue Logistikhalle mit vollständig vernetzten Maschinen in Planung. „Industrie 4.0 wird dann noch stärker in den Fokus rücken“, erklärt Niederlassungsleiter Ingo Buch. „Wir nutzen die Chancen der digitalen Technologien für neue Geschäftsmodelle, Produkte und Prozesse“, so Ingo Buch weiter. 31 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten für die Witzenmann-Speck GmbH am Standort in Schwelm. Das Unternehmen ist Teil der Witzenmann Gruppe, die weltweit mit 4.300 Mitarbeitern agiert. Im Jahr 2020 hat sie insgesamt einen Umsatz von 559 Millionen Euro gemacht. Die Witzenmann-Speck GmbH ist mit der Entwicklung, Produktion und Konfektionierung von Wickel- und Wellschläuchen beschäftigt. Ein wichtiges Standbein bilden die robusten Sanitärschläuche für Bad- und Küchenanwendungen. Das Produktportfolio umfasst Flachkanalsysteme für die kontrollierte Wohnraumlüftung. In Schwelm werden ganze Warengruppen zusammengeführt und weltweit verschickt. Das erfordert eine durchdachte reibungslose Logistikkette und Spezialisten, die diese managen.
Berufsbild ändert sich
Im Hochregallager der Witzenmann-Speck GmbH in Schwelm sind Fachkräfte für Lagerlogistik daher gefragt. Der dreijährige Ausbildungsberuf ist für junge Leute hier ein Sprungbrett ins Unternehmen. Gefragt sind die Fachkräfte insbesondere um eine effiziente Transportlogistik zu ermöglichen und auch den Aspekt der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. Um beispielsweise Leerfahrten zu vermeiden und unnötige Stand- und Wartezeiten bei der Be- und Entladung zu reduzieren, setzt das Unternehmen auf onlinebasierte Netzwerke, die den Beteiligten Transparenz über alle ablaufenden Prozesse bieten - von der Abholung der Güter bis zur Anlieferung beim Warenempfänger.
Das Unternehmen bildet selbst regelmäßig Fachkräfte für Lagerlogistik aus. „Der Ausbildungsberuf hat mit dem Bild, das in den Köpfen der jungen Leute oft noch vorhanden ist, bei uns schon längst nichts mehr zu tun. Die Lagerlogistiker erhalten kein Papier mehr in die Hand gedrückt, um die entsprechenden Waren aus dem Regal zu nehmen. Hier stecken mittlerweile digitalisierte Prozesse dahinter“, erklärt Ingo Buch. Die Anforderungen an die Auszubildenden haben sich in der Praxis bereits jetzt stark verändert und es wird sich zukünftig noch verstärken. „Geeignete Auszubildende für die geänderten Anforderungen zu finden, wird schwieriger“, berichtet Buch. Oft fehlen Kenntnisse in den wichtigen Fächern, wie Mathe, Deutsch und Englisch oder auch bei digitalen Anwendungen. „Es reicht beispielsweise nicht aus, eine App auf dem Handy zu bedienen und googlen lassen sich die Prozesse in einem weltweit aufgestellten Industriebetrieb nicht“, so Buch. Da müssen ganze automatisierte Prozessketten erfasst, verarbeitet und verstanden werden. Eine unternehmenseigene Academy der Witzenmann Gruppe schließe da teilweise die Lücken aus der Schule. Ingo Buch sieht aber auch bei den Berufsschulen einen erheblichen  Nachholbedarf, Digitalisierungsprozesse in Industriebeitrieben in den Lehrplänen stärker zu verankern und Englisch mehr zu fördern. (We) ■