Unser Herz schlägt für die duale Berufsausbildung

Ergebnisse der Enquête-Kommission. Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt.
Rund 750.000 junge Menschen absolvieren derzeit eine Berufsausbildung in Handel, Dienstleistung oder Industrie. Durch den ehrenamtlichen Einsatz von mehr als 150.000 Prüfern konnte die IHK-Organisation auch in Corona-Zeiten knapp 300.000 bundeseinheitliche Abschlussprüfungen ermöglichen. Nach pandemiebedingt eingeschränkter Berufsorientierung nimmt die Ausbildung jetzt wieder Fahrt auf.
Chancen der Digitalisierung nutzen
Sinkende Schulabgänger-Zahlen in Kombination mit einem noch stärkeren Rückgang der Bewerbungen, der Trend zum Studium, fortschreitende Digitalisierung und Corona-Effekte – die Zahl der Jugendlichen in Ausbildung geht seit Jahren zurück. Die Zukunft der Beruflichen Bildung wird daher nach der Bundestagswahl im Herbst weiter auf der Agenda der Bundespolitik stehen. Was aber ist zu tun, damit unsere Berufliche Bildung ein weltweit anerkanntes Erfolgsmodell bleibt, junge Menschen ihre Chancen wahrnehmen und Unternehmen weiter ihre Fachkräfte selbst qualifizieren können? Wie unterschiedlich die Vorstellungen dazu sind, hat zuletzt die Enquete-Kommission des Bundestages zur „Beruflichen Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ gezeigt, in der alle Fraktionen des Parlaments sowie
externe Sachverständige zusammengearbeitet haben.
Bitte rasch umsetzen
Nach Einschätzung des DIHK enthält der rund 500 Seiten starke Abschlussbericht der Kommission eine Vielzahl guter Empfehlungen und Ideen für die gemeinsame Arbeit der Partner in der Beruflichen Bildung:

  • Die Prüfungen in der Beruflichen Bildung sollen, wo immer sinnvoll, digitalisiert werden – weiterhin im Rahmen des ehrenamtlich getragenen Prüfungssystems in der Verantwortung der Kammern.
  • Das etwas in die Jahre gekommene Konzept der Ausbildungsreife sollte zu einer „Ausbildungsstartkompetenz“ weiterentwickelt werden – unter Berücksichtigung der Anforderungen der Wirtschaft und veränderter Kompetenzen und Perspektiven der Jugendlichen.
  • Die Perspektiven der Höheren Berufsbildung sollen schon in der Berufsorientierung empfohlen werden.
  • Die Berufliche Bildung braucht durchgängig mehr digitale Kommunikation, zum Beispiel durch die Erfassung von Mailadressen und Telefonnummern bei der Eintragung von Ausbildungsverhältnissen.
  • Ein Pakt für Berufsschulen ist erforderlich, um unter anderem virtuelle Klassenzimmer stärker zu nutzen, insbesondere an Berufsschulen im ländlichen Raum.
  • Der Aufbau eines Deutschen Beruflichen Austauschdienstes (DBAD) analog zum Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) ist aus Sicht des DIHK sinnvoll, um die internationale Mobilität in der Beruflichen Bildung voranzubringen.
  • Eine stärkere Verbreitung von Teilqualifikationen erleichtert Geringqualifizierten den Einstieg in Ausbildung und Beschäftigung.
  •  Viele Menschen verfügen nicht über einen formalen Berufsabschluss, aber über Kompetenzen, die sie informell erworben haben. Ein Instrument soll dazu beitragen, diese Kompetenzen sichtbar zu machen.
  •  Verbindliche und sachgerechte Qualitätskriterien für die Praxisphasen dualer Studiengänge können helfen, das duale Studium weiter zu stärken.
IHK-Organisation engagiert sich für Weiterentwicklung der Beruflichen Bildung
Im Herbst können diese Ideen Eingang in den Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung finden. Aber auch die Bundesländer und alle anderen Akteure der Beruflichen Bildung erhalten eine Reihe von Impulsen. Die IHK-Organisation wird sich ihrerseits ebenfalls bei der Weiterentwicklung der Beruflichen Bildung engagieren – damit die Berufliche Bildung Erfolgsmodell und Motor der Fachkräftesicherung bleibt.■
Markus Kiss
kiss.markus@dihk.de
030 203082516