Den Handel digitalisiert. Und was kommt jetzt?

Die Digitale Welt kann sowohl Händlern als auch Privatnutzern einen deutlichen Mehrwert bieten. Derzeit entstehen  neue E-Commerce Ansätze wie das „Emotional Shopping“. Der Start-Up-Unternehmer Philipp Jung hat die Online-Plattform www.loops.de mitentwickelt und berichtet über die neue Chancen und kreative Offenheit.
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Philipp Jung
Fördergeldberatung, Unternehmensberater, Entwickler und technische Ausstatter hatten Sie alle schon am Telefon oder vor Ort. Denn Sie sind jetzt digitalisiert. Herzlichen Glückwunsch. Der erste Schritt ist gemacht. Doch was bedeutet dies am Beispiel des Einzelhandels in der Umsetzung und den Ergebnissen? Spare ich nun Zeit und Nerven in der Verwaltung und der Logistik? Verkaufe ich eine höhere Anzahl meiner Produkte? Werde ich international? Den Punkt Zeit und Nerven sparen würden wir alle so unterschreiben.  Zumindest nach einer Eingewöhnungsphase.
Die Bestellung und der Versand sind automatisiert. Und von der Rechnungsstellung bis hin zum Mahnwesen ist auch alles eine große Erleichterung. Es gehen weder Aufträge noch Zahlungen verloren und gegebenenfalls gewinnt man so Kapazitäten sich neben dem Tagesgeschäft auch neuen Strukturen und Projekten zu widmen. Unternehmerisch eine richtige und wichtige Entscheidung für die Gegenwart und Zukunft. Nun ist mein Unternehmen nicht das Einzige mit dem meinigen Produktportfolio. Mein Verkauf ist digitalisiert. Der des Wettbewerbs aber auch. Die erste Reaktion, „wir müssen mehr werben im Internet“. Die meist darauffolgende, „warum ist das so teuer“ oder „was haben die, was ich nicht hab“. Nun sind Sie der Traum für jede Marketingagentur. Sie haben schon die Problemstellung erkannt, es gibt einen großen Wettbewerb und Sie sind bereit Ihre Sichtbarkeit mit finanziellen Mitteln zu verbessern.
Wenn man es genau betrachtet, ein Teufelskreis … Eines der besten Beispiele sind die stetig steigenden Werbeausgaben der großen Onlinehändler. Vor der Coronakrise erhöhte Amazon, allein im Jahr 2018 sein Budget um 24 Prozent auf 554,3 Millionen Euro (lt. Nielsen Marktforschung). Die Otto Gruppe um 16,8 Prozent auf 210,2 Millionen Euro und der Moderiese Zalando um 6,9 Prozent auf 70,3 Millionen Euro. Einzig Ebay verringerte sein Budget im Jahr 2018 um gut 62 Prozent zum Vorjahr. Ob nun ABOUT YOU oder Zalando, das Warenportfolio ist sehr ähnlich, ebenso die Userexperience. Brechen Sie die nun auf Ihren Shop und Ihr Warenangebot herunter.

Also was müssen Sie im Rahmen der Digitalisierung noch umsetzen, um erfolgreich zu sein und aufzufallen? Entwickeln Sie passende Zusatzverkäufe zu Ihren Produkten, gehen Sie Kooperationen ein mit Shopbetreibern, bei denen sich Ihre Artikel ergänzen und gemeinsam, ergänzend sichtbar werden. Sie verkaufen modische Accessoires zur Inneneinrichtung? Vielleicht gibt es einen Shop, der Möbel anbietet und Sie beide füreinander werben. Generieren Sie Social-Traffic!  Denn allein mit einem Budget X, wird der Wettbewerb nachlegen, um sich noch besser als Sie im  Onlinehandel zu platzieren. Seien Sie präsent auf TikTok, INSTA, Facebook und Co. Nutzen Sie neue E-Commerce Ansätze wie das „Emotional Shopping“ und lassen Sie Ihre Kunden Ihr Werbebotschafter sein. Denn wer kann Sie authentischer bewerben als Ihre zufriedenen Kunden?! Seien Sie kreativ, offen für neue Ansätze der Produktplatzierung und bilden Sie themenbasierte  Partnerschaften mit anderen Onlinehändlern. Dann wird sich Ihr Geld- und Zeitinvest bezahlt machen. So zeigt sich, dass die Digitalisierung ohne die emotionalen und taktischen Überlegungen des Menschen nicht erfolgreich wäre. ■
Philipp Jung

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