Hohe Energiepreise und kein Ende in Sicht?

Wer im Spätherbst noch seinen Stromliefervertrag für 2022 abschließen musste, hatte schlechte Karten. Preissteigerung von 100 Prozent und mehr, bezogen auf den reinen Börsenpreis, waren hier keine Seltenheit. Im Laufe des Jahres 2021 haben sich die Börsenstrompreise zwischenzeitlich sogar verdreifacht. Bei den Gaspreisen sieht das Bild ähnlich aus. War Anfang 2021 die eine kWh noch für unter zwei Cent zu bekommen, so stieg der Preis im Laufe des Jahres auf fünf Cent und lag zwischenzeitlich sogar noch höher.
Eine kurzfristige Entspannung der Situation ist hier nicht zu erwarten und das hat gleich mehrere Gründe:
  1. Die Konjunktur zieht weltweit wieder an, gleichzeitig sind die Erzeugungskapazitäten nicht im gleichem Maße wieder reaktiviert worden, das führt zu einer gewissen Verknappung am Markt.
  2. Die Kosten für Emissionsrechte, wie sie von den Betreibern fossiler Kraftwerke gekauft werden müssen, haben sich in 2021 mehr als verdoppelt. Eine Tonne CO2 kostete zwischenzeitlich knapp 90 Euro.
  3. Die Preise für fossile Energieträger, Kohle, Öl und Gas sind in 2021 ebenfalls deutlich gestiegen. Gleichzeitig war das Angebot von erneuerbarem Strom aus Sonne und Wind witterungsbedingt geringer als erwartet. Da der Strommix in Deutschland immer noch zu rund einem Drittel aus fossilen Kraftwerken gespeist wird machen sich auch diese beiden Faktoren im Preis deutlich bemerkbar.
Da hilft es leider auch wenig, dass in 2022 die EEG-Umlage von 6,5 Cent in 2021 auf 3,723 Cent fällt, denn es reicht bei weitem nicht aus, um die Preissteigerungen zu kompensieren. Bei den übrigen Abgaben und Umlagen beim Strom gibt es keine allzu großen Veränderungen, so dass auch hierüber keine Entlastung kommt. Immerhin: Die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP hat in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, dass die EEG-Umlage ab 2023 vollständig über den Bundeshaushalt finanziert werden soll, damit würde zumindest dieser Posten auf der Stromrechnung entfallen und Unternehmen wie Privathaushalte gleichermaßen entlasten. Ein längst überfälliger Schritt.
Titelthema01 Energiepreise

Zu guter Letzt steigen in 2022 die Preise für Benzin, Diesel und Heizöl auf Grund des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) noch einmal um gut 1 Cent pro Liter. Bei den aktuell ohnehin sehr hohen Preisen an den Zapfsäulen fällt diese Steigerung kaum noch ins Gewicht, das ist allerding nur ein ganz schwacher Trost.
Ein kleiner Lichtblick: Stromlieferungen für die Jahre 2023 und 2024 sind derzeit günstiger zu haben als für das laufende Jahr, insofern ist zumindest mittelfristig davon auszugehen, dass die (Börsen-)Strompreise sich stabilisieren und auch wieder sinken werden. Außerdem dürfte das ebenfalls im Ampel-Koalitionsvertrag festgehaltene Ziel, „den Ausbau der Erneuerbaren Energien drastisch zu beschleunigen und alle Hürden und Hemmnisse aus dem Weg zu räumen“ die Strompreise weiter senken. Schließlich liegen die kalkulierten Erzeugungskosten gemäß der Ausschreibungsergebnisse für Solar- und Windstrom mit aktuell rund fünf bis sechs Cent pro kWh deutlich unterhalb des Börsenpreises. (vSch)■

Schonfrist zur Abgrenzung von Drittstrommengen abgelaufen

Unternehmen, die Strom an Dritte weiterleiten, müssen seit 1. Januar 2022 ihr Abgrenzungs- und Messkonzept für Drittstrommengen umsetzen. Damit ist die Ende 2020 gewährte Verlängerung der Übergangsfrist nun endgültig ausgelaufen. Unternehmen, die Strommengen mit einer reduzierten EEG-Umlage oder einer Reduzierten §19 StromNEV-Umlage verbrauchen, müssen gegenüber dem zuständigen Netzbetreiber ihre umlagepflichtigen Strommengen melden. Dabei sind Strommengen, die von Dritten verbraucht wurden von den eigenen abzugrenzen. Dies muss in der Regel durch mess -und eichrechtskonforme Messeinrichtungen geschehen.
Von einer eichrechtskonformen Messung kann zukünftig nur abgesehen werden, wenn eine Messung technisch unmöglich, oder der Aufwand dafür unvertretbar ist. An die Stelle der eichrechtskonformen Messung muss dann eine sachgerechte Schätzung erfolgen.
Der „Leitfaden zum Messen und Schätzen bei EEG-Umlagepflichten” der Bundesnetzagentur (BNetzA) enthält ausführliche Erläuterungen und zahlreiche Beispiele zum Thema. Außerdem sind darin 21 Vereinfachungen zum Messen und Schätzen enthalten, mit denen Unternehmen den Aufwand zur Abgrenzung von Drittstrommengen deutlich reduzieren können.
Wie sich das im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP festgehalte Ziel, die EEG-Umlage ab 2023 komplett aus dem Bundeshauhalt zu finanzieren auf die Notwendigkeit der Drittstrommengenabgrenzung auswirkt bleibt indes abzuwarten. Für zahlreiche Unternehmen könnte das Thema damit nach nur einem Jahr schon wieder obsolet werden, da es möglicherweise schlichtweg keine Strommengen mit unterschiedlicher EEG-Umlagenhöhe mehr gibt. (vSch)■

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