Sperrung der Talbrücke Rahmede

Keine Pkw mehr auf der Talbrücke Rahmede

Über die Talbrücke Rahmede der A45 bei Lüdenscheid werden keine Fahrzeuge mehr fahren können, weder Lkw noch Pkw. Zu diesem Schluss kam am 6. Januar 2022 die Expertenrunde der Autobahn GmbH. Eine Sanierung der Brücke auch nur für Pkw würde nach aktuellen Schätzungen etwa drei Jahre dauern. „Und ob das dann auch funktioniert, ist völlig offen“, erläuterte Elfriede Sauerwein-Braksiek, die Leiterin der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH. Stattdessen soll die alte Brücke jetzt abgebrochen werden und an derselben Stelle und im selben Linienverlauf eine neue Brücke gebaut werden. „Mit Hochdruck bauen wir dann die neue Brücke. Wir hoffen, dass sie dann in fünf Jahren steht“, so Sauerwein-Braksiek.
Die aktuellen Untersuchungsergebnisse, die über den Jahreswechsel zusammengetragen wurden, belegen weitere Schäden an der Brücke. Das Stahlgerüst weist nicht nur Verformungen und Beulen auf, viele Bereiche des Stahls sind stark korrodiert und haben Risse. „Deswegen war die Entscheidung richtig, die Brücke im Dezember zu sperren, so schwerwiegend das für die Menschen in der Region, für Spediteure und Pendler ist“, sagte Sauerwein-Braksiek. Die großen Verkehrsmengen, aber vor allem auch die gestiegenen Gewichte in den vergangenen Jahrzehnten, seien die wesentlichen Gründe für den heutigen Zustand der 53 Jahre alten Brücke.
„Unser Hauptziel ist es, dass Lkw wieder ungehindert über die A45 fahren können, damit entlasten wir Speditionen und Logistiker und helfen der gesamten Wirtschaft“, formulierte Sauerwein-Braksiek die Vorgabe.
Quelle: Autobahn GmbH
7. Januar 2022

Untersuchung der Brücke Rahmede

Die Untersuchung stand an, um zu prüfen, wie die Brücke bis zum geplanten Ersatzneubau weiter genutzt werden kann. Der Verkehr wird jetzt über die so genannten Bedarfsumleitungen U16 (Richtung Süden) und U39 (Richtung Norden) geführt und mit Hilfe des Verkehrsleitsystems der Autobahn großräumig umgeleitet.
Überblick über das Schadensbild
Im Zuge der laufenden Neubauplanung fand am Donnerstag (2.12.) eine Bauwerkskontrolle statt, bei der Verformungen im Stahlüberbau festgestellt wurden. Gemeinsam mit den vor Ort agierenden Fachingenieuren wurde entschieden, die Brücke vorsorglich für den gesamten Verkehr zu sperren. „Wir prüfen das Bauwerk nun in der gesamten Länge, um einen Gesamtüberblick über das Schadensbild zu bekommen“, sagt Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH.
Die Konstruktion der Brücke ist sehr filigran. So haben die beiden großen, fünf Meter hohen Stahl-Träger rechts und links gerade einmal eine Wandstärke von einem Zentimeter. Zwischen den Trägern liegt eine Fachwerkkonstruktion, auf der die Fahrbahnplatte aufliegt.
„In der Stahlwand haben wir mit einem Laserscan Verformungen festgestellt, die die Tragfähigkeit der Brücke beeinflussen können“, erklärt Michael Neumann, Projektleiter bei der Autobahn Westfalen. Noch am Donnerstag wurden weitere Vermessungen durchgeführt. Statik-Experten der Firma Ruhrberg-Ingenieure haben aktuell mit zusätzlichen Untersuchungen begonnen, die auch über das Wochenende weiterlaufen: „Wir schauen uns jedes Bauteil im Detail an“, sagt Winfried Neumann, Geschäftsführer der Ruhrberg-Ingenieure.
Mehr Winterdienst auf Umleitungsstrecken
Für Elfriede Sauerwein-Braksiek ist es wichtig, weitere Gutachter mit ins Boot zu holen: „Sicherheit ist das oberste Gebot, darum müssen wir uns jetzt Zeit nehmen, die Brücke genauer zu untersuchen“, sagt die Direktorin der Autobahn Westfalen. „Wir wissen, dass die Vollsperrung eine hohe Belastung für die Menschen in der Region bedeutet und haben auch die Funktion der A45 als wichtige Achse des Güterverkehrs im Blick. Wir sind darum auch mit Straßen.NRW und der Stadt Lüdenscheid in engem Kontakt, um auf den Umleitungsstrecken den Verkehr so gut fließen zu lassen wie möglich.“ Für den Winterdienst wurde für die Umleitungsstrecke in Zusammenarbeit mit Straßen.NRW der Autobahnstandard organisiert, das heißt, dass auch in der Nacht Streufahrzeuge in höherer Frequenz auf den Straßen unterwegs sind.
Untersuchungsprogramm wird stetig fortgeschrieben
Wann und wieviel Verkehr in Zukunft über die Talbrücke Rahmede fließen kann, entscheidet sich nach Abschluss der Untersuchungen und der Bewertung der Ergebnisse. „Dabei schreiben wir das Untersuchungsprogramm stetig fort, abhängig von den gewonnenen Erkenntnissen“, so Michael Neumann. Parallel laufen Überlegungen, ob und welche Verstärkungsmaßnahmen für das Bauwerk möglich sind. Erste Untersuchungsergebnisse sind nicht vor Mitte nächster Woche zu erwarten.
Hintergrund
Die Talbrücke Rahmede liegt zwischen Lüdenscheid-Nord und Lüdenscheid und führt die A45 über den Bach Rahmede sowie die Altenaer Straße (L530), die Lüdenscheid mit Altena verbindet.
Die Talbrücke wurde zwischen 1965 und 1968 erbaut.
Die Brücke besteht aus einem einteiligen Überbau für die Fahrbahnen in Richtung Frankfurt und in Richtung Dortmund. Der Überbau ist 31,25 Meter breit. Das Bauwerk ist 453 Meter lang und wird von fünf mal zwei Stützen getragen. Die Stützweiten liegen zwischen 54 und 104 Metern (in der Mitte). Auf den filigranen Pfeilern, die bis zu 70 Meter hoch sind, liegt eine Stahlkonstruktion, die Fahrbahnplatte trägt. Die Brücke wurde mit einer Verkehrsprognose geplant, die von 25.000 Fahrzeuge im Jahr 1980 ausging. Inzwischen ist die Belastung auf 64.000 Fahrzeuge angestiegen, davon 13.000 Lkw.  Hinzu kommt, dass das zulässige Gesamtgewicht der Lkw wie auch die zugelassenen Achslasten seit dem Bau der Brücke gestiegen ist. Ende der 1950er Jahre lag das zulässige Gesamtgewicht bei 24 Tonnen (acht Tonnen Achslast). Ab 1960 steigerte sich das zulässige Gesamtgewicht auf 32 Tonnen (10 t Achslast) bzw. 38 Tonnen Gesamtgewicht (1968). Das zulässige Gesamtgewicht für LKW beträgt heute im gesamten Bundesgebiet 40 Tonnen oder 11,5 Tonnen Achslast. Sind die LKW schwerer, bedarf es grundsätzlich einer Sondergenehmigung. Wiegeanlagen wie an der Rheinbrücke Neuenkamp zeigen, dass sowohl das Gesamtgewicht als auch die Achslasten regelmäßig überschritten werden. Auch dieser Umstand trägt zu einer höheren Belastung der Bauwerke bei.
Quelle: Autobahn Westfalen
3. Dezember 2021