Zukunftsinvestitionen in Gefahr

DIHK-Umfrage: Unternehmen leiden unter hohen Strom- und Gaspreisen

Der deutliche Anstieg der Strom- und Gaspreise macht weiten Teilen der deutschen Wirtschaft stark zu schaffen: In einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) nannten drei Viertel der Unternehmen diesen Faktor als Belastung für ihr laufendes Geschäft.
Knapp die Hälfte der rund 600 Betriebe aus allen Branchen, die sich an der Erhebung beteiligten, befürchtet aufgrund der hohen Strom- und Gaspreise sogar den Verlust der eigenen Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland. "Das von den Unternehmen gezeichnete Bild ist sehr beunruhigend", kommentiert DIHK-Präsident Peter Adrian die Umfrageergebnisse. "Die hohen Strom- und Gaspreise nehmen einem Drittel der Unternehmen bereits die finanziellen Spielräume für notwendige Zukunftsinvestitionen. Betroffen sind zentrale Bereiche wie Klimaschutz, Forschung und Innovation, aber auch Investitionen im jeweiligen Kerngeschäft der Unternehmen." Die detaillierten Ergebnisse der Umfrage stehen hier zum Download bereit.
Deutliche Wettbewerbsnachteile für den deutschen Mittelstand
Die aktuellen Verteuerungen treffen die deutschen Betriebe stärker als ihre internationalen Wettbewerber: Beim Strom zahlen sie in fast allen Abnahmegruppen schon bisher die höchsten Preise in Europa. Deutsche Mittelständler kostet ihr Strom fast doppelt so viel wie die Konkurrenz in Frankreich. Ähnlich das Bild beim Erdgas: Der Anstieg des Gaspreises ist zwar ein weltweit zu beobachtendes Phänomen. Aber auch hier verursacht die nationale CO2-Bepreisung seit Jahresbeginn Wettbewerbsnachteile für alle Unternehmen, die nicht unter den europäischen Emissionshandel fallen.
Unternehmen müssen Kostenexplosion verkraften
Die Auswertung zeigt, dass knapp die Hälfte der Unternehmen gegenüber dem Corona-Jahr 2020 signifikant höhere Stromkosten verkraften müssen – für jeden achten Betrieb ist sogar eine Verdopplung bereits Realität.  Nur gut 19 Prozent der Befragten konnten auf dem Vorjahresniveau beschaffen. Und: Mehr als ein Viertel der Unternehmen berichten, dass sie für die reine Strombeschaffung mehr als 10 Cent pro Kilowattstunde aufwenden müssen. Dazu kommen noch Steuern, Umlagen und Netzentgelte von bis zu 15 Cent pro Kilowattstunde. Auch bei der Gasbeschaffung kämpft ein Drittel der Betriebe mit signifikanten Mehrkosten. Die Situation kann sich weiter verschärfen, denn viele Unternehmen müssen in diesem Jahr noch erhebliche Mengen an Gas einkaufen.
Politischer Handlungsbedarf vor allem beim Strom
Die Rückmeldungen zeigen, dass die Explosion der Beschaffungskosten bei Strom und Gas viele Unternehmen empfindlich trifft. Langfristige Direktlieferverträge für Grünstrom werden vor diesem Hintergrund immer stärker zu einem entscheidenden Standortfaktor. Der DIHK fordert von der Politik Maßnahmen, um die Höhe der Energiekosten auf einem wettbewerbsfähigen Niveau zu halten. Insbesondere beim Strom besteht Handlungsbedarf. Deshalb sollte die angekündigte Abschaffung der EEG-Umlage zügig realisiert und die Rahmenbedingungen für grüne Direktverträge verbessert werden.
Quelle: DIHK
23.11.2021