Innovation und Umwelt

Wann, wo, warum, welche Maske?

FFP oder nicht? MNB oder MNS? Aus Stoff oder aus Papier? Was nützen die überhaupt? Müssen sie bestimmten Regelungen genügen? Sollte man auf eine Kennzeichnung achten? – Im Zusammenhang mit Corona gibt es rund um das Thema Gesichtsmasken zurzeit eine Menge Fragen. Hier kommt eine kurze Orientierungshilfe.
Die Hände professionell hygienisch halten, Abstand wahren und Maske tragen! – Wer diesen Dreiklang beherzigt, leistet schon mal einen guten Beitrag zur Entspannung der aktuellen Corona-Situation. Doch gerade beim Thema der Mund-Nase-Bedeckung gibt es in der Praxis viele Unsicherheiten.
Mittlerweise sind Masken ganz unterschiedlicher Art mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen erhältlich. Es herrscht ein gewisser Wildwuchs. An dieser Stelle gehen wir kurz auf diejenigen ein, die zurzeit am häufigsten vorkommen, die Community-Masken, die filtrierenden Masken und die medizinischen Gesichtsmasken. Andere Typen wie gebläseunterstützte Hauben gemäß DIN EN 12941 und 12942 und Helme oder Schutzmasken mit auswechselbarem Partikelfilter Klasse P 2 und P 3 gemäß DIN EN 140 und 143 bleiben hier außen vor. Dasselbe gilt für die Einbettung in das Arbeitsschutzsystem, Stichworte Gefährdungsbeurteilung, Arbeitsplatzgrenzwerte und TOP-Hierarchie.

Community-Maske

Im Alltag am häufigsten zu sehen sind Communitiy-Masken, die auch Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) oder Behelfsmasken genannt werden. Sie bestehen – wiederverwendbar – aus Stoff oder – als Einwegprodukt – aus Papier und dienen etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln oder am Arbeitsplatz dem Fremdschutz, sollen also die Freisetzung von Tröpfchen verringern und damit Infektionswege unterbrechen. Ihre Trägerinnen und Träger schützen sie insofern, als sie die Berührung von Mund und Nase mit eventuell kontaminierten Händen erschweren. Geregelte Anforderungen an das Material gibt es nicht. Weit verbreitet sind ja auch selbst hergestellte Masken. Werden Community-Masken jedoch im Rahmen einer Geschäftstätigkeit verkauft oder verschenkt, dann unterliegen sie unter anderem dem Produktsicherheitsgesetz. Sie müssen in diesem Fall Herstellerangaben sowie Warn- und Gebrauchshinweise zur Handhabung und Pflege haben. Hinzu muss eine Kennzeichnung nach EU-Textilkennzeichungsverordnung kommen. Stoffmasken können und sollten regelmäßig desinfiziert werden.

Filtrierende Maske

Filtrierende Masken, die klassischen Staubmasken, dienen dem persönlichen Schutz ihrer Trägerinnen und Träger und unterliegen damit der europäischen PSA-Verordnung 2016/425. Die Mindestanforderungen für die FFP-Masken (FFP steht für Filtering Face Piece) sind in der der DIN EN 149 festgelegt. Hier wird in FFP 1, FFP 2 und FFP 3 unterschieden. FFP-2-Masken können aus der eingeatmeten Luft bis zu 94 Prozent der infektiösen Aerosole herausfiltern, FFP-3-Masken bis zu 99 Prozent. FFPs müssen dicht anliegen, um ihre Filterleistung zu erbringen. Das kann natürlich das Atmen erschweren. Modelle mit Ventilen zum Ausatmen sind angenehmer zu tragen, bieten aber Außenstehenden keinerlei Schutz und kommen deshalb für das Einsatzgebiet von Community-Masken etwa in Bussen oder der Bahn nicht in Frage. Wiederverwendet werden sollten nur die dafür vorgesehenen FFP-Masken, die mit einem R gekennzeichnet sind. Apropos Kennzeichung: Obligat ist eine dauerhaft auf der Maske, dem Ventil oder der Kopfbänderung angebrachte Kennzeichnung. Diese muss bestehen aus 1) dem Namen oder Warenzeichen des Herstellers oder Lieferanten, 2) der typ-identischen Kennzeichnung, 3) der Nummer der Norm (EN 149) samt Veröffentlichungsjahr, 4) der Maskenklasse (1, 2 oder 3) mit eventuellen Zusatzinfos (wie R für wiederverwendbar) und 5) dem CE-Zeichen mit Kennnummer der notifizierten Stelle.
Zunehmend werden auch KN-95-Masken und N-95-Masken angeboten. Diese entsprechen dem chinesischen Standard GB 2626 bzw. dem US-Standard 42 CFR Part 84 und entsprechen im Wesentlichen FFP-2-Masken.

Medizinische Gesichtsmaske

Die medizinische Gesichtsmaske (auch: Mund-Nasen-Schutz (MNS) oder OP-Maske) aus weichen Vliesmaterialien dient primär dazu, in OP-Sälen und anderen medizinischen Einrichtungen die Übertragung infektiöser Keime vom Personal auf den Patienten zu begrenzen. Sie müssen die Anforderungen der DIN EN 14683 erfüllen und als Medizinprodukt gemäß 93/42/EWG eine CE-Kennzeichnung tragen. Es handelt sich um Einwegprodukte. Sie enthalten zwar einen Micro-Keim-Filter, schützen aber die Benutzerin und den Benutzer kaum, weil seitlich ungefilterte Luft eindringt.
Zusammengefasst: Alle genannten Masken (außer die mit Ausatemventil) mindern das Risiko einer Weiterinfektion. Nur FFP-2- und FFP-3-Masken (plus KN-95- und N-95-Masken) schützen auch ihre Trägerinnen und Träger vor Viren. Deshalb werden auch nur letztere vom Robert-Koch-Institut zum Schutz vor Corona empfohlen.
Wie beschrieben, werden funktionsfähige Masken nach anspruchsvollen Vorschriften, Normen und Standards hergestellt und geprüft. In Zeiten der Verknappung ist nicht nur der Preis gestiegen, es sind auch einige Anbieter auf dem Plan, die minderwertige Fälschungen anbieten. Europol warnt explizit vor der steigenden Zahl von Betrugsdelikten. Es ist also angesagt, unbekannte Anbieter und ihre Produkte mit einer gewissen Skepsis zu betrachten, um Mitarbeiter, Angehörige und andere nicht unnötig zu gefährden.

Protectx: Florierende IHK-Börse für Corona-Schutzausrüstung

Ein guter Weg zu Schutzausrüstungen gegen Corona sowie Desinfektionsmittel ist die NRW-weite Börse Protectx, die von den IHK gemanagt wird. Hier sind mehrere Hundert Produzenten, Händler und sonstige Unternehmen zu finden, die Sie mit entsprechenden Produkten beliefern können. Gerne können auch noch neue Anbieter gelistet werden.
Die in Dortmund ansässige Bundesanstalt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz (BAuA) bietet zahlreiche weitere Informationen sowie Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Thema Masken. Unter anderem auch eine Tabelle mit wesentlichen Angaben.
Dr. Jens Ferber
17. Juli 2020