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Konjunktur aktuell (Dokument-Nr.: 2791)
KONJUNKTURUMFRAGE JANUAR 2012
Konjunkturlage stabil: Erwartungen gestiegen
(31. Januar 2012) „Die gute Geschäftslage entwickelt sich seit dem Herbst des Vorjahres mit nur leichten Rückgängen recht stabil. Die Stimmung hat sich nach dem Jahreswechsel aber deutlich verbessert, obwohl die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weiterhin von großer Unsicherheit geprägt sind. Das Exportgeschäft floriert, der Arbeitsmarkt zeigt sich robust und fördert die starken Impulse aus dem Binnenmarkt. Angesichts der anhaltenden Turbulenzen auf den Finanzmärkten und der europäischen Verschuldungsprobleme steht die Konjunktur aber auf tönernen Füßen“, fasst Dr. h.c. Hans-Peter Rapp-Frick, Hauptgeschäftsführer der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK), die Umfrageergebnisse zusammen. Trotz zahlreicher Risiken rechnen die Unternehmen nicht mit einem gravierenden Einbruch, sondern sind zuversichtlich, dass sich die positive Geschäftsentwicklung, wenn auch abgeschwächt, im weiteren Verlauf des Jahres 2012 fortsetzen wird.
Wirtschaft trotzt
der Euro-Krise
Die Wirtschaft im Märkischen Südwestfalen ist in 2011 solide gewachsen. Weite Bereiche der Industrie haben das Niveau der Vorkrisenjahre erreicht und Umsatz- sowie Gewinnrekorde eingefahren. Der Handel hat von der guten Stimmung der Verbraucher nicht nur im Weihnachtsgeschäft profitiert. Auch die Dienstleister konnten im Windschatten der lebhaften Industriekonjunktur und der deutlich positiveren Verbraucherstimmung wieder aufschließen, berichtet Rapp-Frick bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturergebnisse der Winterumfrage bei 228 Unternehmen mit rund 34.000 Beschäftigten im SIHK-Bezirk. Der SIHK-Konjunkturklimaindex, der die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen für die nächsten Monate zusammenführt, ist daher von 112 Punkten im Spätsommer 2011 wieder auf aktuell 121 Punkte gestiegen, erreicht damit aber nicht das Rekordniveau von 138 Punkten zu Beginn des Vorjahres.
Während die Eurozone vermutlich in eine „milde“ Rezession fällt, scheinen Euro-Krise und europaweite Verschuldungsprobleme die heimische Wirtschaft nur gering zu beeinflussen. Die Erträge der Unternehmen haben sich im Vorjahr deutlich verbessert. Die Liquiditätslage der Betriebe zeigt sich entspannt, und nur in wenigen Fällen wird von Finanzierungsproblemen berichtet. Die gegenwärtige Geschäftslage und die Erwartungen der Unternehmen entwickeln sich zwar weiterhin gegenläufig, jetzt aber gegenüber dem Herbst wieder mit positivem Saldo. Der Anteil aller Befragten, die von einer guten Geschäftslage berichten, ist zwar von 59 auf 53 Prozent gesunken, aber gleichzeitig rechnen jetzt 21 Prozent gegenüber 14 im Herbst des Vorjahres mit einer Verbesserung im laufenden Jahr, während nur noch jeder Fünfte eine weitere Abkühlung der eigenen Geschäftsentwicklung befürchtet.
Industrie hält
hohes Niveau
Die Geschäftsentwicklung hat im Herbst zwar an Dynamik eingebüßt, aber bis zuletzt ein hohes Niveau gehalten. Die Produktionskapazitäten sind mit 85 Prozent weiter voll ausgelastet. Die Industrieumsätze im Märkischen Südwestfalen reichen bis November 2011 fast an das Rekordniveau aus 2008 heran, und sind mit fast 17 Prozent deutlich stärker als in Land und Bund mit knapp 12 Prozent gestiegen. Die Arbeitsproduktivität konnte seit der letzten Krise sogar weiter gesteigert werden. Getragen wird diese Entwicklung und der anhaltende Optimismus von den Schlüsselbranchen Stahl- und Metallverarbeitung, Automobilbau sowie Maschinenbau, die in Südwestfalen stark vertreten sind. Rapp-Frick: „Jetzt zahlt sich aus, dass die Unternehmen gut aufgestellt sind und die Güter produzieren, die weltweit stark nachgefragt sind“. Allerdings gibt es sich verstärkende Beruhigungstendenzen insbesondere aus dem Vorleistungs- und Investitionsgüterbereich: Abrufe werden zeitlich gestreckt, die Auftragslage ist nicht in allen Produktionsbereichen gut, und stark gestiegene Preise erhöhen den Margendruck. Der Blick nach vorne hat darunter aber nicht gelitten.
Das Baugewerbe rechnet nach der Abwicklung der letzten Konjunkturprogramm-Aufträge, die bis zum Ende des Vorjahres für eine gute Geschäftslage gesorgt haben, im laufenden Jahr mit einer Beruhigung.
Handel zufrieden –
Dienstleister schließen auf
Das Kaufverhalten im Schlussquartal 2011 sowie insbesondere im Weihnachts- und Jahresendgeschäft war, bis auf witterungsbedingte Ausfälle, für den südwestfälischen Handel ausgesprochen zufriedenstellend. Bundesweit hat die Branche im letzten Jahr ein Plus von etwa drei Prozent erzielt. Der Klimaindex erreicht im Einzelhandel mit aktuell 137 Punkten ein Allzeithoch. 2011 war auch für den Großhandel in der Region ein insgesamt erfolgreiches Jahr. Der Klimaindikator ist seit dem Herbst um weitere 5 Punkte auf jetzt 116 Punkte gestiegen. Der Handel rechnet auch in den nächsten Monaten durch steigende Tarifabschlüsse und einen stabilen Arbeitsmarkt mit einer Stärkung der Kaufkraft.
Die meisten Dienstleister konnten im Zuge der guten Industriekonjunktur und stabilen Arbeitsmarktlage bei freundlichem Konsumklima im Laufe des Jahres 2011 wirtschaftlich wieder aufschließen. Der Konjunkturklimaindikator stieg seit September des Vorjahres um 8 Punkte auf jetzt 122, zeigt aber in den Bereichen Verkehr und Lagerei, Kreditgewerbe, unternehmensbezogenen und öffentlichen bzw. privaten Dienstleistern eine sehr starke Differenzierung. Obwohl unternehmensnahe Serviceanbieter in Nischen weiter Wachstumspotenzial sehen, fürchten viele Dienstleister eine abflauende Industriekonjunktur, und stellen sich auf wieder schwierigere Marktverhältnisse ein.
Trotz optimistischer Signale
Risiken beachten
Die heimische Wirtschaft hat in der Krise 2009/2010 ihre Wettbewerbsfähigkeit durch schlanke Strukturen, Kostenreduzierung, Finanzoptimierung, mäßige Lohnanpassungen, Innovation, neue Produkte und Technologien deutlich verbessert. Produkte aus dem Märkischen Südwestfalen sind weltweit gefragt, und die europäische Verschuldungskrise beschert den Unternehmen in der Region eine vorerst noch „isolierte“ Sonderkonjunktur, die laut Rapp-Frick nur von Dauer sein kann, wenn die Politik die Schuldenkrise bewältigt und der gesamte Euroraum wirtschaftlich wieder Anschluss gewinnt. Die Chancen stehen gut, dass durch die robuste Verfassung des Mittelstands eine Rezession in 2012 vermieden werden kann. Dennoch dürfen die Herausforderungen, denen sich die Wirtschaft im laufenden Jahr gegenübersieht, nicht unterschätzt werden, die bei 21 Prozent der Befragten zu einer schlechteren Erwartungshaltung führen. Die lokal nicht zu steuernden Risiken liegen hauptsächlich im weiteren Nachlassen der wirtschaftlichen Dynamik, weiteren Schocks im Finanzsystem und Zweifeln an der politischen Handlungsfähigkeit der Eurozone.
Die heimischen Unternehmen sehen dabei die größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Betriebe in den kommenden Monaten in steigenden Energie- und Rohstoffpreisen (60), unzureichenden wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (50 Prozent), einer einbrechenden Inlands- (50) und Auslandsnachfrage (49) sowie in einem weiter zunehmenden Fachkräftemangel (25).
Exportgeschäft gerät
ins Stocken
Der Export gerät als einer der Motoren des Aufschwungs zunehmend ins Stocken. Noch floriert das Auslandsgeschäft insbesondere in der Eurozone, in die über 90 Prozent aller heimischen Industriebetriebe exportieren, und in die über 40 Prozent aller Exporte gehen. Die Exportumsätze der Unternehmen im Märkischen Südwestfalen haben sich bis einschließlich November 2011 gegenüber dem Vorjahr zwar nochmals um 15 Prozent (NRW/Bund plus 12) auf 8 Mrd. Euro erhöht; die Zuwachsraten gehen aber von Monat zu Monat kontinuierlich zurück. Die Erwartungen an die weitere Entwicklung der Exporte haben die Unternehmen etwas zurückgeschraubt. Trotzdem rechnen noch 34 Prozent – nach 47 Prozent vor einem Jahr - aller Industrieunternehmen mit höheren Auslandsumsätzen.
Das Investitionswachstum setzt sich nach den Planungen der Wirtschaft moderat fort und stützt weiterhin die Konjunktur. Jedes dritte Unternehmen plant höhere Investitionen, weniger als ein Fünftel will die Investitionsbudgets kürzen. Niedrige Zinsen, eine hohe Kapazitätsauslastung der Industrie und ein sich stabilisierender Konsum bilden dafür weiter gute Rahmenbedingungen, wobei künftig für die Unternehmen weniger Investitionen zur Erweiterung (28) sondern vielmehr notwendige Ersatzmaßnahmen (67), weitere Rationalisierung (49) und der Einsatz innovativer Verfahren (42) im Vordergrund stehen.
Arbeitsmarkt stützt Binnenkonjunktur
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten hat mit über 270.000 längst das Niveau zu Beginn der Krise im Jahr 2009 überschritten; gegenüber dem Vorjahr ist ein Zuwachs von über 3 Prozent zu verbuchen. Im Laufe der Konjunkturbelebung hat sich der Arbeitsmarkt dynamisch entwickelt und mit 28.392 Arbeitslosen im Dezember 2011 einen derartig niedrigen Stand wie zuletzt im Zuge der deutsch-deutschen Wiedervereinigung erreicht. Die Kurzarbeit spielt keine Rolle mehr. Gleichzeitig ist das Angebot an offenen Stellen im Jahresvergleich um 28 Prozent auf über 5.000 gestiegen. Die Zahlen unterstreichen laut SIHK-Hauptgeschäftsführer Rapp-Frick die Anstrengungen der Wirtschaft, Beschäftigung aufzubauen, mit der die Binnenkonjunktur gestützt und die gesamtwirtschaftliche Entwicklung gefördert wird. Mit 19 Prozent wollen weiter mehr Betriebe Mitarbeiter einstellen als Beschäftigung abbauen (16 Prozent). „Die deutsche Wirtschaft hat gute Chancen, dem Abschwung in den europäischen Staaten erfolgreich zu trotzen. Wir sollten deshalb keine Rezession herbei reden“, so Rapp-Frick abschließend.
Der komplette 125. Konjunkturbericht: www.sihk.de, Dok-Nr. 2791.

