01.04. – 30.04.2012
in Kooperation mit ECC Handel und EC Ruhr
· Digitale Wirtschaft: Europa spielt keine Rolle mehr
· Auch zu Hause sind Smartphones und Tablets fürs Shopping beliebt
· Rechnungen per Fax und Mail sind Papier-Rechnungen gleichgestellt
· 27 Millionen Menschen in Deutschland ohne Internet
Digitale Wirtschaft: Europa spielt keine Rolle mehr
Während Investoren in den USA in die digitale Wirtschaft vertrauen, hoffen europäische Anleger vergeblich auf Gewinne aus erodierenden Branchen wie der Telekommunikation. Das Beispiel der Deutschen Telekom zeigt die Folgen falscher Schwerpunktsetzungen. So sank der Aktienkurs seit 2007 um rund 40 Prozent.
Das Urteil von Hendrik Speck, Experte für digitale Medien an der Fachhochschule Kaiserslautern http://fh-kl.de , klingt ernüchternd: "Wir werden das Wegbrechen vieler Marken westlicher Prägung erleben. Beim PC haben wir das schon gesehen; bei Smartphones wird das auch passieren. Europa wird hier bald keine Rolle mehr spielen", sagt Speck voraus, der sich intensiv in chinesischen Fabriken umgeschaut hat. Die Technik in den Geräten sei inzwischen wichtiger als die Marke; der Produktionsprozess mache den Unterschied.
"Es ist ernüchternd, wie effektiv die Chinesen gerade dabei sind, diesen Markt aufzurollen. Die Situation ist verdammt ernst", erläutert Speck. Ähnlich düster sieht es im Netz aus. "In Deutschland wäre eine Plattform wie YouTube niemals entstanden. Sie wäre wenige Wochen oder Monate nach dem Start tot gewesen", kritisiert der Experte. Das Vorgehen, erst einmal populäre Inhalte anzusammeln und dann zu überlegen, wie alle daran verdienen können, habe überall funktioniert - nur in Deutschland nicht.
Der Fachmann führt die feindliche Innovationspolitik auf eine Fehlinterpretation der Realität zurück. Diese werde hierzulande unweigerlich zu einem Nachteil führen. "Man stelle sich vor, wie der Pferdekutschenverein damals eine innovative Verkehrspolitik bei der Einführung des Autos geregelt hätte. Nicht anders diskutieren wir heute über das Urheberrecht", sagt Speck. Vor allem Deutschland müsse sich in der digitalen Wirtschaft komplett neu erfinden, um auf dem internationalen Märkten bestehen zu können.
"Martin Luther stellte mit seinen Thesen die Welt auf den Kopf. Auch heute sind Botschaften vonnöten, die über Wertschöpfungsketten und Aktienkurse hinausgehen. Philip Reis, der das Telefon erfand, Konrad Zuse den Computer und Heinrich von Stephan stampften in wenigen Jahren die weltweit modernste Kommunikations-Infrastruktur und globale Unternehmen aus dem Boden. Warum machen wir aus diesem Paket nicht die Version 2.0 oder 3.0?", fragt sich Bernd Stahl von Nash Technologies http://nashtech.com im Gespräch mit der Agentur pressetext.
Das Ziel besteht laut Stahl darin, die Digitalisierung des Lebens und der Wirtschaft als Chance zu sehen und nicht als Bedrohung. Dem Experten nach ist ein Dreiklang aus Technik, sozialer Kompetenz und Inspiration gefragt. "So sucht die Bundesregierung nach einem Konzept, um eine alternde Gesellschaft kostengünstig und würdevoll zu betreuen. Die grundlegende Erkenntnis: zu Hause in der Familie geht das einfach besser und billiger als in einem Altersheim. Ein Lösungskonzept fängt mit dem Smartphone in der Armbanduhr, Sensorik, Robotik und der Vernetzung mit Gesundheitsportalen an", unterstreicht Stahl.
Statt zu klagen und zu zetern, sollte man das Beste von Google, Facebook, Apple und Microsoft nehmen und etwas bauen, worauf US-Konzerne noch gar nicht gekommen sind: "Als Kunde möchte ich eine Kommunikation zu einem Experten, einer Community, einer Maschine, einer intelligenten Waren ohne jegliche Barrieren. Man könnte einen semantisch annotierten 'Social Shadow' in einer Cloud schaffen. Man kopiert sich seine Streams auf Facebook, Twitter oder auf seine Cloud, verlinkt das mit dem Rest und ergänzt das durch semantische Annotationen", ergänzt Stahl.
Auch zu Hause sind Smartphones und Tablets fürs Shopping beliebt
Über mobile Endgeräte kaufen Kunden vor allem unterwegs ein, wenn gerade kein Computer zur Hand ist. Das sollte man zumindest meinen. Eine Studie des Mobile Commerce-Dienstleisters MoVendor hat nun herausgefunden, dass lediglich knapp fünfzig Prozent der mobilen Online-Shopper auch tatsächlich unterwegs sind, wenn sie ihren Einkauf tätigen. Die andere Hälfte greift über stationäre WLAN-Netze auf Online-Shops zu - zum Beispiel von zu Hause aus, im Büro oder im Café. Für die Studie wurden 100.000 Besucher von mobilen Nutzern in Online-Shops analysiert, die die mobile SaaS-Lösung von MoVendor verwenden.Die Ergebnisse machen deutlich, dass Konsumenten Smartphones und Tablets zunehmend als Ersatz für den stationären PC oder Laptop nutzen; dies trifft vor allem für Tablets zu. Streng genommen ist der Begriff „Mobile Commerce" also nicht mehr immer angebracht wenn der Zugriff über mobile Endgeräte erfolgt. Zunehmend wird daher vom sogenannten „Couch Commerce" gesprochen. Die Studie unterstreicht die Relevanz von mobilen Endgeräten als Absatzkanal. Für Online-Händler bedeuten die Ergebnisse, dass die Optimierung ihres Online-Shops für mobile Endgeräte längst nicht mehr nur ein „Nice to have" ist. Vor allem dann, wenn sie nicht riskieren möchten, dass die attraktive Zielgruppe der Smartphone- und Tablet-Besitzer zu ihrer Konkurrenz wandert.
Rechnungen per Fax und Mail sind jetzt Papier-Rechnungen gleichgestellt
Seit dem Inkrafttreten des Steuervereinfachungsgesetzes am 1. Juli 2011 planen viele Unternehmen, ihre Fakturierungsprozesse nachhaltig zu verschlanken und gleichzeitig die Prozesskosten signifikant zu senken. Zu verdanken ist dies einem Aspekt des Gesetzes, der in der öffentlichen Diskussion seinerzeit nur wenig Beachtung fand: Rechnungen, die auf elektronischem Wege übermittelt werden, sind denen, die per klassischer Briefpost zugestellt werden, gleichgestellt.
Konkret bedeutet dies, dass Rechnungen nun auch per Telefax oder als PDF-Anhang einer E-Mail verschickt werden können. Eine qualifizierte elektronische Signatur, die die Nachvollziehbarkeit der Herkunft und die Unversehrtheit des Inhalts gewährleistet, ist nicht mehr erforderlich. Damit können nun auch kleine und mittlere Unternehmen, die sich das bislang geforderte Verfahren nicht leisten konnten oder wollten, ihre Faktura optimieren.
Zugleich bietet der vereinfachte elektronische Rechnungsversand auch Vorteile gegenüber der traditionellen Papier-Rechnung, denn die Zustellung ist nicht nur deutlich schneller, sondern auch transparenter: Das Versandprotokoll einer Fax-Übermittlung verleiht der Sendung den juristischen Status einer per Einschreiben verschickten Rechnung.
Auch beim Rechnungsempfänger können die anfallenden Prozesse deutlich vereinfacht werden. Zwar ist dieser nach wie vor verpflichtet zu überprüfen, ob der Absender bekannt ist, ob die berechneten Waren und Dienstleistungen tatsächlich bestellt und geliefert wurden und ob die Rechnung sachlich, formell und rechnerisch korrekt gestellt wurde. Weiterhin bleibt auch die Pflicht bestehen, elektronisch übermittelte Rechnungen auch elektronisch zu archivieren.
Der Einsatz geeigneter Mail- und Fax-Services bietet aber an anderer Stelle dem Empfänger die Möglichkeit, eine spürbare Prozess- und Kostenoptimierung zu erzielen. So kann zum Beispiel eine dedizierte Mail-Adresse oder Fax-Nummer für den Rechnungsempfang bereitgestellt werden. Eingehende Rechnungen erhalten hierbei automatisch sprechende Dateinamen, werden nach den gesetzlichen Vorgaben archiviert und direkt an eine Applikation zur automatisierten Rechnungsverarbeitung weitergeleitet. So lassen sich viele manuelle Prozessstufen einsparen und Kosten nachhaltig senken. Laut Deutsche Bank Research/Billentis liegt das Einsparpotenzial auf Empfängerseite bei 11,60 EUR pro Rechnung.
Zu beachten ist, dass der vereinfachte elektronische Rechnungsdatenaustausch nur in Deutschland gilt. Für den Rechnungsversand im europäischen Ausland sind weiterhin die Anforderungen der beim Empfänger geltenden Gesetzgebung zu beachten. Beim Rechnungsversand in fast alle anderen europäischen Länder ist eine qualifizierte digitale Signatur nach wie vor unerlässlich.
27 Millionen Menschen in Deutschland ohne Internet
Rund 27 Millionen Menschen in Deutschland leben komplett oder nahezu komplett ohne Internet. Damit sind hierzulande fast doppelt so viele Personen offline wie bislang angenommen. Das ist das zentrale Ergebnis der „DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“ - https://www.divsi.de/presse. Im Auftrag des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI) hat das SINUS-Institut insgesamt 2.047 Menschen bevölkerungsrepräsentativ in einer computergestützten Face-to-Face-Umfrage zu deren Einstellungen in Bezug auf Vertrauen und Sicherheit im Internet sowie zu deren individuellem Internet-Nutzungsverhalten befragt. DIVSI-Direktor Matthias Kammer:
„Die Studie beschreibt den Zustand unserer Internet-Gesellschaft präziser, als dies jemals zuvor geschehen ist.“
Die bundesweite Untersuchung zeigt, dass fast 40 Prozent der Menschen in Deutschland DigitalOutsiders sind. Dies sind nicht allein Menschen ohne technischen Zugang zum Internet. Vielmehr gehören dazu auch jene, die zwar theoretisch über einen Internet-Anschluss verfügen könnten, im Umgang mit dem Internet jedoch stark verunsichert sind und dieses daher so gut wie bzw. überhaupt nicht nutzen. Rund 41 Prozent (28 Millionen Menschen) bezeichnet die Studie hingegen als Digital Natives. Diese sind mit dem Internet groß geworden und haben es voll in ihr Leben integriert. Als dritte Gruppe wurden schließlich Digital Immigrants identifiziert (20 Prozent bzw. rund 14 Millionen Menschen). Sie begrüßen einerseits den kommunikationstechnischen Fortschritt und nutzen das Internet gezielt für ihre Zwecke. Andererseits nehmen sie auch die negativen Folgen des Digitalisierungsprozesses wahr, sind im Internet eher misstrauisch, skeptisch und defensiv unterwegs. Sie beobachten den Trend zunehmender Offenlegung der Privatsphäre in sozialen Netzwerken mit Sorge.
Die DIVSI Milieu-Studie identifiziert zudem zwei signifikante Gräben, die unsere digitale Gesellschaft spalten. Bislang wurde in den Diskussionen davon ausgegangen, dass diese allein durch den Graben zwischen „Onlinern“ und „Offlinern“ gespalten sei. Eine auf technisch online oder offline beschränkte Unterscheidung spiegelt die Realität jedoch nicht richtig wider. Viel entscheidender ist, wie die Menschen das Internet tatsächlich nutzen.
Der erste Graben trennt die Digital Outsiders auf der einen von den Digital Immigrants und den Digital Natives auf der anderen Seite. Die Digital Outsiders sind entweder offline oder stark verunsichert im Umgang mit dem Internet. Das Internet stellt für sie eine digitale Barriere vor einer Welt dar, von der sie sich ausgeschlossen fühlen und zu der sie keinen Zugang finden.
Der zweite Graben verläuft zwischen den Digital Natives auf der einen Seite und den Digital Immigrants und den Digital Outsiders auf der anderen Seite. Die Digital Natives begreifen das Internet als Teil ihres Lebensraums, in dem sie sich frei und ganz selbstverständlich bewegen. Für sie stellt die digitale Welt einen wesentlichen Teil des Lebens dar. Sie stehen ihr sehr positiv gegenüber und können nicht nachempfinden, dass sich die anderen Gruppen im Internet nicht ebenso zu Hause fühlen.
Die „DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“ offenbart noch einen weiteren wichtigen Ergebnis-Komplex mit zwei wesentlichen Aspekten:
Zum einen geht es um unterschiedliche Verantwortungskonzepte in Bezug auf die Internet-Nutzung. Fast drei Viertel der Deutschen (74 Prozent) erwarten, dass Staat und Wirtschaft aktiv für Sicherheit im Internet sorgen. 26 Prozent (mehrheitlich Digital Natives) lehnen dagegen jegliche Einmischung ab. Sie sehen die Verantwortung beim Nutzer und sind überzeugt, alles selbst im Griff zu haben.
Zum anderen gibt es in der Bevölkerung unterschiedliche Überzeugungen bei der Frage, wie sicher das Internet überhaupt sein kann. Etwa ein Drittel aller Internet-Nutzer glaubt, dass es im Netz völlige Sicherheit geben kann. Rund die Hälfte der User ist hingegen überzeugt, dass dies nicht möglich ist. Alle übrigen Befragten konnten zu der Frage keine klare Position beziehen.